Osttangentenblues

Bei einem Besuch in einem Weinlokal im Martinsviertel habe ich sie wieder für mich entdeckt, die Langspielplatte „Osttangenten Blues“. Sie steht auf dem Foto ganz oben in der Mitte des Regals. 

Die LP ist 1978 entstanden und wurde meines Wissens im Selbstverlag erstellt und finanziert. Die LP hat eine eigene Geschichte und einen ganz konkreten Bezug zum Martinsviertel in Darmstadt.

Mir wurde damals ein handsignierte Version durch eine der Interpretinnen (Charlotte Richter-Abraham) ausgehändigt, die ich bis heute hoch in Ehren halte.

Hier der Hintergrund:
Aufgrund eines Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung 1972 sollte eine 4 spurige Stadtautobahn quer durch eine Bresche geführt werden, die in die Bebauung des Martinsviertels geschlagen werden sollte.

Wer sich den Wahnwitz dieses Planes visualisieren möchte, braucht sich nur die Alsfelder Strasse bis zum Rhönring zu betrachten, dieser Bauabschnitt wurde nämlich bereits erstellt und endet am Rhönring.

Diese Stadtautobahn wäre quer durch das Martinsviertel  über die Teichhausstrasse (Finanzamt) , Pfützerstrasse, Nieder-Ramstädter-Strasse geführt worden.  Aus Darmstadt wären zwei Städte geworden, die durch einen unüberwindlichen Todesstreifen getrennt worden wären.

Aufgrund massiven Protestes der Bevölkerung  und der Bildung einer Wählergemeinschaft, die aus dem Stand heraus in das Stadtparlament einzog und starken politischen Einfluss ausübte, wurde 1980 wurde der Plan durch einen neuerlichen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung wieder aufgegeben.

Heute erinnert nur noch  das Autobahnmuseum „Alsfelder Strasse“, die Weinstube Osttangente, die bis heute starke Präsenz der Grünen im Stadtparlament und natürlich die Langspielplatte „Osttangentenblues“ an diese Zeit, die für das Schicksal Darmstadts so bedeutend gewesen ist.

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