Es weihnachtet sehr – Wie kam Maria zu ihrem Baby Jesus? – Ein Erklärungsversuch aus dem 14. Jahrhundert

Wie kam Maria zu ihrem Baby? Ein Erklärungsversuch!

Nach der Glaubenslehre wurde Jesus nicht -wie wir alle- in einem mehr oder weniger leidenschaftlichen Liebesakt gezeugt, sondern Maria empfing Jesus durch den Heiligen Geist.

Josef hatte also mit der Schwangerschaft seiner Verlobten nichts, aber auch gar nichts zu tun.

Josef war nur der Pflegevater und soll über die Schwangerschaft von Maria, seiner Verlobten ziemlich irritiert, wenn nicht sogar erbost gewesen sein. Auch Maria wusste zunächst wohl nicht, wie und was mit ihr geschah.

Beide wurden aber frühzeitig durch Engel über die Schwangerschaft und ihre Umstände informiert, so wurde ihnen verkündet, dass Jesus gezeugt wurde und dass hierfür kein anderer Mann sondern Gott höchstpersönlich verantwortlich ist.

Nun, wenn mir ein Verkündigungsengel erscheint und mir Dinge verkündet, die nicht mit meiner Lebenserfahrung vereinbar sind, würde ich das natürlich auch glauben. Ein mächtiger Engel ist sehr überzeugend und lässt mich wissen statt nur noch zu glauben.

Wie geht es aber nun uns normalen Menschen mit diesen ungeheuerlichen Vorgängen. Wie geht es einem technikorientiertem Menschen aus dem 21. Jahrhundert damit? Und wie ging es den Menschen im Mittelalter mit solchen Geschichten? Wie konnte man einem Bauern und seiner Frau, denen nichts menschliches fremd war, mit einer großen Schar Kinder in der Stube, solche unglaublichen Vorgänge glaubhaft erklären?

Selbst auf der Weide und im Stall gab es ständig die fleischliche Vereinigung von Männchen und Weibchen der verschiedensten Tiergattungen und nach einiger Zeit die Geburten der hochwillkommenden Ergebnisse ihrer Leidenschaft.

Nun, in der Marienkapelle in Würzburg ist mir ein interessanter Erklärungsversuch der Verkündigung  Marias begegnet. Am Nordportal sieht man ein Tympanon (mit Reliefs geschmücktes nach oben bogenförmig abschließendes Feld über dem Türsturz eines Portals).

Verkündigung und Zeugung

Rechts sehen wir Maria, der gerade eine lange Gottesbotschaft von einem Engel auf der linken Seite von einer langen Papyrusrolle verkündet wird. Derweil schickt Gott einen langen Schlauch, der von einem Vogel an Marias Ohr getragen wird. Der Vogel soll der Heilige Geist in Form einer Taube gewesen sein.

Auf dem Schlauch rutscht der Säugling Jesus bäuchlings direkt in Marias Ohr.

Wie nun das Baby aus dem Ohr in den Schoss von Maria rutscht, ist nicht näher ausgeführt, ist nach all diesen Wundern auch wohl eine Kleinigkeit.

Wichtig ist vielmehr, das Jesus nicht durch einen Mann gezeugt, sondern durch Gottes Wort zur Empfängnis geführt worden ist.

Es handelt sich bei dieser Darstellung der Verkündigung um die Empfängnis durch das Ohr ( (conceptio per aurem) und sollte das Unglaubliche erklärbar machen. Wir dürfen nicht vergessen, es handelte sich um das 14. Jahrhundert und das ungebildete Volk war zwar ungebildet aber nicht einfältig. Man musste ihnen schon plausible Erklärungen anbieten.

Egal wie Sie zu diesem Erklärungsversuch stehen, war es mir doch wichtig, Ihnen diesen interessanten Erklärungsansatz zu vermitteln, der mich tief beeindruckt hat.

Ich wünsche allen meinen Lesern eine Frohe Weihnacht!

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