Warum geht denn das Licht aus?

Früher gab es Stromzähler, an denen man den verbrauchten Strom gleich bezahlen musste. Eine Kilowattstunde kostete 20 Pfennig und bezahlen konnte man nur mit 10 Pfennig Stücken.  Man konnte mehrere Münzen auf einmal einwerfen, die sich dann peu à peu verbraucht haben.

Wenn man elektrisch kochte oder gar backte, kam man mit dem Münzeinwurf kaum noch hinterher, weil der Elektroherd den Strom förmlich gefressen hat.

Auch der Ratenkauf des Fernsehgerätes konnte mit einer ähnlichen Apparatur erfolgen. Eine Stunde Fernsehen kostete dann 20/30 Pfennig, die man an dem Gerät auf einer hinten am Gehäuse angebrachten Apparatur einwerfen musste.

Alle paar Wochen kam dann ein Mitarbeiter von dem Stromanbieter oder dem Radio / Fernsehhändler vorbei und leerte den Münzbehälter. Dieses Procedere  schaffte zusätzliche Arbeitsplätze und ermöglichte Anschaffungen, die man sich eigentlich nicht leisten konnte.

Irgendwann war dann das Fernsehgerät bezahlt und die Apparatur wurde abgebaut.  Dann konnte man das Gerät endlich so nutzen,  wie es einem gefiel.

Ein großes Problem war neben den geringeren finanziellen Möglichkeiten auch die Beschaffung der erforderlichen Münzen.  Der Automat nahm nur 10 Pfennig Münzen an und wechselte auch nicht.

Oft klingelte es an der Tür und ein Nachbar oder eine Nachbarin bat darum,  eine Münze oder einen Schein in 10 Pfennig Stücke zu wechseln. Da musste man -trotz seiner Hilfsbereitschaft-  auch seine eigenen „Münz“-Bedürfnisse im Auge behalten.

Wer nicht richtig plante und am Wochenende keine Münzen mehr beschaffen konnte, für den blieb die Küche kalt, es gab kein  Fernsehen oder er saß gar im Dunkeln bei Kerzenlicht.

Es war immer eine lustige Sache, ging der Fernseher und das Licht aus, mussten Münzen in den Stromzähler eingeworfen werden, ging nur der Fernseher aus, musste am Fernsehgerät Geld eingeworfen werden.   Dadurch, dass man z.B. beim Fernsehen „zweimal“ bezahlen musste, nämlich das Gerät und der Strom, ging das dann ganz schön ins Geld bzw. an den Münzvorrat.

Man kann das auch nur nachvollziehen wenn man weiß, dass die Kontoführung über Banken noch nicht so etabliert war, man musste seine Rechnungen bar an einer Kasse des Unternehmens oder  durch Einzahlung bei einer Postfiliale begleichen. Außerdem waren viele Menschen einfach ärmer und die Woche war echt lang.

Damals wurde der Lohn überwiegend wöchentlich in bar ausgezahlt. Mein Vater hat uns Kinder und meine Mutter jede Woche in die Küche gebeten und hat aus einem Pergament-Tütchen seinen Wochenlohn und seinen Lohnstreifen auf dem Tisch ausgebreitet. Er war dann immer sehr stolz, ganz besonders, wenn es durch Überstunden mehr wie in der Vorwoche war. Für uns Kinder war das immer unendlich viel Geld.

Dann holte meine Mutter ein kleines Holzkistchen mit ganz vielen beschrifteten Briefkuverts.   Da gab es Beschriftungen wie Lebensmittel, Miete, Kleider und Schuhe, Kohlen für den Winter usw. Der Wochenlohn wurde anschließend in die Kuverts verteilt und auf einmal war das viele Geld vom Küchentisch verschwunden.

Wenn es mal eng wurde mit dem Geld,  haben meine Eltern immer einen Kredit bei den „Kohlen für den Winter“ aufgenommen, der aber dann von den nächsten Wochenlöhnen wieder aufgefüllt werden musste, wenn man im Winter nicht frieren wollte.

Mit dem Siegeszug der Girokonten sind diese Finanzierungsmöglichkeiten nach und nach verschwunden und taugen nur noch für Erinnerungen an die „gute“ alte Zeit.

So ein Kuvert wie „Kohlen für den Winter“ würde mir manchmal auch ganz gut tun.

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