Das Kasperle Theater

Kaspar I

Kasper (auch Kasperl oder Kasperle, bairisch Káschberl, schwäbisch Kaschberle, alemannisch Chaschperli) ist der komische Held des Kaspertheaters, eines meist mit Handpuppen gespielten Puppentheaters mit derb-naiver Handlung.

Es wird angenommen, dass die Rolle des Kaspers unter anderem auf den Hanswurst des Wiener Volkstheaters zurückgeht. Die Puppenfigur Kasper ist im deutschen Sprachraum seit Ende des 18. Jahrhunderts bekannt.

Kasper trägt üblicherweise eine lange (oft rote) Zipfelmütze, ein an den Harlekin erinnerndes Kleid mit großem, buntem Muster und hat eine Klatsche (auch Pritsche genannt) als symbolische Waffe.

Aus diesem Schlagstock leitet sich der Begriff Slapstick für dieselbe Form der Komödie ab. Kasperls charakteristisch grinsendes Gesicht mit der auffälligen Nase (oft einer Hakennase) erinnert an Fastnachts-Masken und macht ihn auch verkleidet erkennbar.

Das Wort Kasper ist eine Nebenform von Kaspar (mittellateinisch Casparus), dem legendären Namen eines der Heiligen drei Könige aus dem Morgenland, der in den mittelalterlichen Dreikönigsspielen als Mohr dargestellt wird und (etwa seit dem 15. Jahrhundert) die Gestalt einer lustigen Person annimmt. Ende des 18. Jahrhunderts tritt er in Wien als komische Bühnenfigur an die Stelle des Hanswurst.

Kaspar II

Ein weitere wichtige Figur im Spiel ist der Seppel. Seppel oder Seppl (ein von Josef herrührender Kosename) ist eine traditionelle Figur aus dem klassischen Ensemble des Kaspertheaters.

In der Kasperspiele-Literatur taucht die Figur des Seppel ab etwa 1921, dem Gründungsjahr der Hartensteiner, später Hohnsteiner Puppenspiele, als Kaspers bester Freund und Weggefährte auf.

Während der alte, noch sehr burschikose Jahrmarktskasper seine Abenteuer meist alleine und mit Hilfe seiner Pritsche (Klatsche) bewältigte, setzte der nachjacobinische Kasper deutlich mehr auf friedliche und humorvolle Problemlösungen, wozu die Figur einen Freund – ebendiesen Seppel – benötigte.

Ursprünglich war Seppel ein in sächsischer Burschentracht gekleideter Charakter; später kleideten ihn die Puppenspieler in den Landestrachten ihrer jeweiligen Region ein, und es setzte sich im deutschlandweiten Bewusstsein des Publikums mehr und mehr ein bayerisch anmutender Seppel mit Lederhosen und dem typischen Seppelhut durch.

An Kaspers Seite wurde Seppel zum festen Ensemblemitglied des traditionellen Puppentheaters und ab den 1940er Jahren in zunehmendem Maße ein „Medienstar“, wobei die Seppel-Darstellungen in Film, Theater und Hörspiel äußerst vielseitig waren: Die Hohnsteiner und andere Bühnen zeigten in ihren Bühneninszenierungen und Filmen einen Seppel, der seinem Freund Kasper intellektuell deutlich unterlegen war, während die gleiche Figur in den zahlreichen Hörspielen von Gerd von Haßler als geistreicher, belesener und wissenschaftlich-erfinderischer Mann im jungen Erwachsenenalter daherkam.

Die Handpuppenspieler führten oft ein kärgliches Leben als Außenseiter der Gesellschaft. Oftmals wurden sie und ihre Kunst verachtet, ungeliebt, verjagt und politisch missbraucht. Stets waren sie von der Obrigkeit abhängig. Dennoch waren sie für ihr Publikum ein wichtiger Bestandteil der Unterhaltung und ihrer Kultur.

Stets tritt der Handpuppenspieler hinter den Figuren zurück und überlässt ihnen den Applaus. Ihr Spiel wurde auch wertgeschätzt, wenn auch stets gefürchtet. Kaspertheater war mitunter auch in Herrscherhäusern zum Teil angesehen und wurde auch von einigen Mitgliedern dieser selbst – im höfischen Theaterspiel – gespielt.

Kaspar III

Ursprünglich war es ein derbes Jahrmarktsvergnügen für Erwachsene und Jugendliche mit einer komischen Figur im Mittelpunkt, die in der langen Tradition „clownesker“ Figuren im Menschentheater stand. Hierbei entwickelten sich in Europa verschiedene Typen heraus, so Guignol in Frankreich oder Kasper in Deutschland.

In England war das „Punch and Judy“-Spiel sehr populär: Mr. Punch soll auf sein Kind aufpassen. Da es schreit, wirft er es zum Fenster hinaus, bekommt Streit mit seiner Frau Judy, verprügelt diese und schlägt der Reihe nach alle Personen und Gewalten tot, die ihm begegnen (Polizist, Krokodil, Teufel und sogar den Tod). Diese Geschichte sprach wohl die vielfach unterdrückten Aggressionen der Zuschauer an und bot ihnen ein Ventil für ihre Verdrossenheit mit der Obrigkeit. Oft wurde das „Punch and Judy“-Spiel wegen Unmoral verboten und die Puppenspieler vertrieben oder bestraft.

Prügel- und Totschlagszenen auf der Bühne, vor allem der Totschlag an Kaspers Frau waren ebenso fixer Inhalt im Spielplan wie der Auftritt und das Verprügeln mächtiger Gegenspieler, die Kasperl – der gleichsam eine lustige Figur darstellte – stets erfolgreich auf unterschiedlichste Weise bekämpfte.

Auch hier wird in einer mystischen Bildersprache die Kritik gegenüber der Obrigkeit deutlich, zu der auch die Puppenfigur der Tod zugezählt wurde.

Gerade die Auseinandersetzung mit dem Tod im traditionellen Puppenspiel betonte den Kampf gegen die Autoritäten.

Text Auszüge von der Seite  „Kasper“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.  URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kasper&oldid=185337530

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Text auszüge aus der Seite „Seppel“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.  URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Seppel&oldid=183946321

Alle Bilder: Michael Deschamps, Augenschmaus

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