Eine kleine Plauderei über den Apfel

Wenn man sich fragt, welche Obstsorte hier in Deutschland die größte Präsenz hat, wird sicherlich  jedermann den Apfel nennen. Der Apfel ist allgegenwärtig, genauso wie die aus ihm hergestellten Leckereien. Ich denke da an Apfelmus, Apfelkuchen, Apfelsaft und natürlich den Apfelwein.

Der Apfel ist bei uns so gegenwärtig, dass man immer wieder Apfelbäume finden kann, die nicht mehr geerntet werden und wo der Boden unter dem Baum über und über mit Fallobst belegt ist. Diese werden dann ein Raub der Wespen, Pferde und Wildschweine.

Eine gute Freundin mit Wurzeln in Taiwan ist schier fassungslos gewesen, dass hier Äpfel so allgegenwärtig und preiswert zu haben sind. In Taiwan werden Äpfel einzeln verkauft, importiert aus Japan und das zu horrenden Preisen. Eine Familie isst gemeinsam einen Apfel zum Nachtisch und jeder freut sich über die Delikatesse.

In meiner Kindheit gab es ab November bis vielleicht Ende Januar Orangen, das restliche Jahr -jedenfalls für uns aus Kostengründen- nicht.

Mandarinen sind mir das erste Mal als jungem Erwachsenen begegnet und als Säfte und Obst gab es nur, was im Kleingarten unserer Familie angebaut und versaftet werden konnte.

Bananen habe für mich heute noch einen großen Wert, es wuchsen nämlich keine im Garten und es gab sie deswegen auch nicht auf dem Speiseplan. Für meine Tochter sind Bananen nichts besonderes mehr, weil sie allzeit in unserer Küche verfügbar sind.

Wieder einmal ein Beleg für die These, dass der Wert einer Sache durch ihre Häufigkeit und Verfügbarkeit geschmälert wird. Das gilt für materielles Gut, aber auch für immaterielle Güter, von Orangen bis zum Sex.

Bei der Recherche zu diesem Beitrag hat sich mir die Frage aufgedrängt, warum den der verbotene Baum im Paradies ein Apfelbaum gewesen sein soll?

Wenn dem so ist, spricht einiges dafür, dass das Paradies hier in Nordeuropa gewesen sein muss, denn das ist das klimatische Gebiet, in dem der Apfel sich am wohlsten fühlt und am häufigsten vorkommt.

Das macht mich sehr stolz. Ich wusste immer schon, dass wir hier ein schönes Fleckchen Erde haben.

Dass Eva die Frucht vom Baum der Erkenntnis genommen hat, bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass dies ein Apfelbaum gewesen sein muss.

Es besteht die These, dass die Entscheidung für den Apfel als verbotene Frucht in der Bibel einem großen Missverständnis beim übersetzen zugrunde liegt, nämlich der Ähnlichkeit von  mâlum („Apfel“) und mâlum („Übel“).

Wenn dem so wäre, hatte man dem Apfel schreckliches Unrecht angetan.

Andererseits hätte auch jede andere Frucht –außer vielleicht Zitronen- die Begehrlichkeit des Habenwollens bei Eva geweckt.

Über Adam braucht man in diesem Zusammenhang gar nicht weiter nachzudenken, denn nach dem Genuss des Apfels erkannten sie beide, dass „sie nackt waren“. Was eine attraktive nackte Frau wie Eva bei Männern wie Adam so alles auslöst, brauche ich den weiblichen Leserinnen hier nicht erklären und den männlichen Lesern schon gar nicht.

So begann das ganze Dilemma, dass mich seit über 40 Jahren zwingt, jeden Morgen um 4 Uhr aufzustehen.

Aber es wäre sicher alles auch so passiert, wenn es kein Apfel, sondern eine andere Frucht (-außer Zitronen-) gewesen wäre.

Das sieht auch das folgende Gedicht von 1751 so, mit dem ich heute meine Plauderei über den Apfel beenden will:

Das Paradies
Sein Glück für einen Apfel geben,
O Adam, welche Lüsternheit!
Statt deiner hätt ich sollen leben,
So wär das Paradies noch heut.

Wie aber, wann alsdann die Traube
Die Probefrucht gewesen wär?
Wie da, mein Freund? Ei nun, ich glaube
Das Paradies wär auch nicht mehr.

Aus: Kleinigkeiten (1751)

4 Antworten auf „Eine kleine Plauderei über den Apfel“

  1. Lieber Michael,
    mit wachsender Begeisterung sehe ich mir möglichst jeden Tag Dein neues Bild/Bilder an. Heute wieder zwei besonders gelungene Exemplare! Oft zeigst Du uns damit und auch mit Deinen wertvollen Gedanken und Erzählungen, wie schön unsere Erde überall ist. Hoffentlich können wir alles, Deine Bilder, Deine Texte, aber besonders unsere Welt, so noch lange mit unseren Kindern und Kindeskindern in uns aufnehmen.
    Vielen Dank an Dich!

  2. Hallo Michael,
    auch ich bin jetzt seit einiger Zeit eifriger Leser Deine ganz tollen Bilder und Texte. Einige erinnere mich sehr an unsere Jugend, die wir zum Teil ja auch zusammen erlebt haben. Mach weiter so…

    Danke

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