Toilettenplauderei VIII

Ein beliebter Treffpunkt für Busreisende ist jede Toilette entlang der Autobahnen. Hier sehen wir die liebevoll gestaltete Toilettenanlage an der Autobahn A5 bei Kassel.
Wer eine Reise tut und in einem Bus voll mit fremden Menschen sitzt, erlebt immer ein fröhliches Hallo, wenn zehn Minuten nach der letzten Rast wieder jemand Harndrang verspürt und den Bus stoppen lässt, um  diesem Drang nachzugeben.


Wenn man die richtige Mischung von Mitreisenden hat, kann man mit  einem solchen Team sogar die Reisegeschwindigkeit so entschleunigen, dass man gleich mit dem Fahrrad hätte reisen können.

Zwar haben die meisten Reisebusse eine eigene Toilettenanlage, aber komischerweise sind diese meistens defekt. Dies versichert einem glaubhaft der Fahrer, der ja für die abschließende Reinigung und die Entleerung des Fäkalientanks  am Reiseziel verantwortlich ist und sich daher auskennt.

Eine besondere Spezialität sind die Toilettenanlagen an den Autobahnraststätten. Hier muss man für die Nutzung der Toilettenanlage Geld bezahlen und bekommt für einen Teil des Entgelts einen Verzehrgutschein für das Raststättenbistro.


Während also ein Teil des Busses seine Stoffwechselprodukte entsorgt und dadurch nebenbei auch neue Wert-Bons erlangt, verbraucht der andere Teil der Mitreisendenden seine Wert-Bons vom vorigen Toilettenbesuch im Bistro und trinkt begeistert Kaffee, Tee, Bier oder andere Erfrischungsgetränke.

Wie in jedem guten Team erfolgt eine wechselnde Arbeitsteilung, die Mitreisenden mit Bistrobesuch sind dann diejenigen, die nach weiteren dreißig Minuten Fahrt das erneute Anhalten des Busses übernehmen. So wiederholt sich dieses Spiel über die gesamte Fahrt und alle haben einen riesigen Spaß!

Die Toilettenanlagen auf den Raststätten sind meistens lange nicht so liebevoll hergerichtet wie die Toilettenhäuschen an einem normalen Rastplatz.

Sowohl innen wie außen findet man hier individuell gestalteten Haus- und Raumschmuck, bei dem neben dem hoffentlich vorhandenen Toilettenpapier auch höchstpersönliche Ausscheidungen Verwendung finden.

Aus Sorge um die persönliche Hygiene setzt man sich nicht und erledigt die Entsorgung in einer Art Hocke, die zur weiteren Gestaltung des Innenraumes beiträgt. Auch das Auslegen der Toilettenbrille mit Toilettenpapier ist eine beliebtes Gestaltungsmittel, besonders dann, wenn man es auf der Brille liegen lässt und es ohne Halt zu Boden fällt.

Der nächste Benutzer erfreut sich an den Gestaltungsversuchen aller seiner Vorgänger und hat dann einen weiteren Grund, um seine Hygiene besorgt zu sein.

Nach jeder Grundreinigung der Toiletten durch die Mitarbeiter der Autobahnverwaltung, die zwangsläufig die Zerstörung des Kunstwerkes zur Folge hat, reicht schon eine einzige Person, um diesen künstlerischen Kreislauf erneut zu beginnen.

So freue ich mich schon auf meine nächste Busreise  und bin auf die vielfältigen neuen Eindrücke sehr gespannt. Vor dem Start erst noch drei Tassen Kaffee trinken, vielleicht schaffen wir den ersten Stopp sogar noch vor der Autobahn!

Die Fotos vom Toilettenhäuschen an der A5 hat mir meine Fotofreundin Susanne Lietz zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Die anderen Fotos und der Text stammen von Michael Deschamps Augenschmaus!

Einen weiteren Beitrag zum Thema Toilettengeschichten finden Sie hier!

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