Wie bringt man sich das Rauchen bei?

Raucher

Im Artikel eingefügt sind meine Fotos vom Rauchen in New York.

Mit Rauchen  begann ich 1969/1970 und ich beendete es erst 30 Jahre später. Mein Problem mit 15 Jahren war, wie bringe ich mir das Rauchen bei und später, wie werde ich es bloß wieder los.

Eine Deutsche Mark hat die Schachtel mit 11 Zigaretten am Automaten unserer Schule gekostet. Der Automat war genau gegenüber an einem Zaun vorm Schuleingang befestigt. So konnte man das Schulgelände in der Pause schnell verlassen, Zigaretten ziehen und in der großen Pause eine oder zwei Zigaretten rauchen. Damals war Rauchen erst ab 16 Jahren erlaubt, aber in den letzten Klassen gab es sowohl Jugendliche über und als auch unter 16 Jahre und die Hofaufsicht hat sich immer in einer anderen Ecke des Schulhofes aufgehalten, wohl um hier nicht tätig werden zu müssen.

Raucher I

Eine DM war für mich viel Geld, ich bekam mit 16 Jahren gerade mal 12 DM Taschengeld im Monat. Ein weiteres Problem war die Schnorrerei. Wenn jemand gesehen hat, dass ich Zigaretten gezogen hatte, kamen immer einige um eine Zigarette von mir zu schnorren. Da war eine Schachtel nach zwei, drei Pausen leer und ich musste sehen, dass ich auch etwas zum Rauchen abbekam. Ich war damals einfach zu schwach, nein zu sagen, wenn doch alle um meine (Zigaretten-) Gunst buhlten.

Raucher II

Umgekehrt war es für mich immer sehr schwer, bei jemanden eine Zigarette zu schnorren. Da gab es die „Freunde“, die einfach Nein sagten, andere machten sich noch die Mühe, ihre Verweigerung wenigstens zu begründen. Entweder hatten sie angeblich keine Zigaretten mehr, oder nur noch ein oder zwei Stück in der Schachtel. Ich habe einmal beobachtet, wie jemand eine fast leere Zigarettenschachtel in der Brusttasche hatte, die er Schnorrern bedauernd gezeigt hat und später in einer unbeobachteten Ecke eine Zigarette aus seiner vollen Schachtel in der Hosentasche gezogen hat.

Raucher III

Ich habe in den Pausen viel über die Menschen gelernt und bin dann nach und nach auch etwas härter geworden. Anfangs habe ich eigentlich eher nur gepafft und nicht inhaliert. Grund war einfach um dazu zu gehören. Dann hat mir ein Schulkamerad erklärt, ich würde gar nicht richtig rauchen, da der Rauch nicht aus der Nase herauskommt. Ich habe das dann zuhause vor den Spiegel trainiert, wenn meine Eltern mal nicht da waren. Mein Vater war auch starker Raucher, da fiel der Zigarettengeruch in der Wohnung nicht auf. Es hat viel Training benötigt, bis ich den Rauch inhalieren und durch die Nase wieder ausstoßen konnte, aber irgendwann konnte ich es und habe meine Kunst in der Pause paffend vorgeführt.

Raucher IV

Leider wurde mir erneut eröffnet, dass ich immer noch nicht richtig rauche, da der Rauch nicht als dichte Wolke, sondern als feiner Nebel ausgeatmet werden müsste. Ich würde keine Lungenzüge machen und wäre deshalb gar kein richtiger Raucher. Also ich wieder fleißig trainiert und den Rauch gegen den Husten tief in die Lunge inhaliert, damit man beim ausatmen diesen feinen Rauchnebel sieht. Dann war ich endlich ein Raucher und bin diesen Fluch erst nach vielen Fehlversuchen mit 47 Jahren wieder losgeworden.

Raucher V

Seit der ersten Hälfte der 60er Jahre weiß man erst, dass Rauchen ungesund ist. Vorher war es eher ein Problem der Belästigung oder der gelben Gardinen, einen gesundheitlichen Aspekt sah man vorher noch nicht. Fernsehsendungen wie der „Internationale Frühschoppen“ waren so verqualmt, dass man die Akteure kaum noch sehen konnte. Die Politiker ließen sich gerne rauchend ablichten und wer gar eine Pfeife rauchte, galt als besonders intellektuell und vertrauenswürdig. Es soll sogar Politiker gegeben haben, die als Nichtraucher mit einer qualmenden Pfeife auftraten, da dies von den Wählern honoriert wurde.

Raucher VI

Früher wurde überall geraucht, jede Kneipe, jedes Restaurant, jede Bahn, jeder Bus, jede Straßenbahn. Im Flugzeug wurde geraucht, zunächst überall, später wurden die Raucher in den hinteren Teil des Flugzeuges verbannt. In den Zügen wurden Nichtraucherabteile eingeführt, es gab mehr Raucherabteile als Nichtraucherabteile, das Verhältnis hat sich dann nach und nach umgedreht. Inzwischen wird das Rauchen und der Raucher geächtet, vor vielen Kneipen und Restaurant sieht man sie im Regen stehen und am entwürdigsten finde ich die Glashäusschen im Flughafen, in der sich die Raucher drängen und es aussieht, wie in einer Räucherkammer.

Raucher VII

Aber das ist noch nicht das Ende der Entwicklung. Bei einem Besuch im Biergarten -also im Freien- habe ich miterlebt, wie eine Frau sich beim Nachbartisch beschwert hat, der Rauch würde sie belästigen und sie bestünde darauf, dass das Rauchen eingestellt wird.

Eine weitere Entwicklung haben die Preise für die Zigaretten, die enorm gestiegen sind:

Hier habe ich die Entwicklung der letzten Jahre im Internet gefunden:

„HB“-Automaten-Packung:
bis: 7.06.1953 _5er 0,50 DM
seit: 8.06.1953 12er 1,00 DM
seit: 1.07.1972 18er 2,00 DM
seit: 1.01.1977 22er 3,00 DM
seit: 1.06.1982 21er 4,00 DM
seit: 1.03.1992 22er 5,00 DM
seit: 1.12.2000 22er 6,00 DM

Raucher VIII

Es geht aber noch heftiger. In Australien kostet eine Schachtel Marlboro mit 20 Zigaretten inzwischen 16,78 Euro. Am billigsten qualmen noch die Menschen in der Ukraine mit 91 Cent für eine 20er Schachtel Marlboro.

Einen Ausflug zu den gesundheitlichen Aspekten schenke ich mir, jeder weiß, dass er beim Rauchen Russisch Roulette spielt, nur das im Revolver nur eine Kammer frei ist und sechs mit Krankheit, Siechtum und Tod gefüllt ist.

Dieser Text stammt bis auf die Zusammenstellung der Zigarettenpreise von mir. Die eingefügten Raucherfotos habe ich 2005 in New York gemacht.

Übrigens, wer wissen will was aus dem Marlboro-Man geworden ist, findet hier einen weiteren lesenswerten Beitrag auf meiner Seite.

 

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